Flaschenpost - Nachrichtenmagazin der Piratenpartei

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Nachrichtenmagazin der Piratenpartei
Aktualisiert: vor 1 Monat 1 Woche
2. Oktober 2017 - 12:13

Flaschentalk #73 – Marina Weisband – Projekt Aula – Update

Marina Weisband in Neumünster | CC BY 3.0 Nocke-de via Wikimedia Commons

Ich habe mit Marina über folgende Themen gesprochen:

  • 0:46 Was ist das Projekt Aula?
  • 2:02 Politik ist eine wunderbare Maßnahme zur Persönlichkeitsbildung
  • 5:26 Projekt Aula Stand Ende 2015
  • 6:11 Fertigstellung der Software Frühjahr 2016; Struktur der fertigen Software
  • 8:11 Verlängerung der Einführungsphase der Software
  • 10:17 Integration von Aula in den Unterricht
  • 11:27 Fahrten zu den Pilot-Schulen
  • 13:09 Crowdfunding – Aula mit Budget
  • 14:06 Schuljahr 2017/2018 – Evaluation des Projekts am Ende des Schuljahres
  • 14:57 Vergleich politischer Standardunterricht mit einem Aula Projekt – persönlicher Bezug
  • 16:40 Anzahl der Bewerbungen als Pilotschule – Bekanntheit des Aula Projekts
  • 17:54 Entscheidungsfreiheit der Schulen und Schüler – Zusammenarbeit mit den Ländern
  • 20:25 wenn Schüler keinen Bock auf Lernen haben
  • 23:27 Betrieb von Aula mit und nach der Einführungsphase
  • 24:19 Beispiel für Initiativen: der Smartphone-Tag
  • 26:48 Fortsetzung von Aula nach den Sommerferien – jetzt gibt es Geld
  • 28:32 Politik im Kleinen: der Fahrradständer
  • 29:30 Beispiel für Initiativen: der Gebetsraum – Umgang mit Unterschieden
  • 31:23 persönlicher Umgang mit Krisen in der Welt – Fettnäpfchen
  • 33:34 Sozialarbeit an Schulen
  • 34:33 Vermittlung von menschlichen Qualitäten im Bildungssystem
  • 35:41 Und wer bezahlt das?
  • 36:22 Woher kommt und wo bleibt das Geld?
  • 38:01 das Team
  • 39:13 Finanzierung von Projekten – Zukunft von Aula – Finanzierung von Aula
  • 41:16 die deutsche Förderlandschaft
  • 41:54 Fortsetzung/Finanzierung von Aula
  • 42:59 Fördervereine für Schulen
  • 43:34 reiche/arme Schulen – Vermittlung von demokratischen Werten
  • 44:55 Projektitis
  • 46:31 Sinn von Projekten, die nicht weiter finanziert werden
  • 47:14 Bundeszentrale für politische Bildung im internationalen Vergleich
  • 48:36 Kontakt zu Projekten die ähnlich sind wie Aula
  • 48:52 Ideen für die Fortsetzung von Aula
    • 49:19 Adaption an andere Länder oder andere Organisationen
  • 49:49 reiche/arme Schulen – z. B. Situation in den USA
  • 51:06 Kontakt info@aula.de
  • 52:09 Umgang mit Populismus im Projekt Aula
  • 53:53 Schlusswort von Marina
https://flaschenpost.piratenpartei.de/files/2017/09/2017-09-21-Marina-Weisband-Aula.mp3

Dauer: 55 Min. 21 Sek.

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13. September 2017 - 12:20

Medienmittwoch: Das Grundgesetz

Video | CC BY Jonathan Dehn

Der Großteil der Piraten versteht sich als Grundgesetzfundamentalisten. Vom Fernmeldegeheimnis bis zur Unverletzlichkeit der Wohnung ernten die einzelnen Absätze der Verfassung Zustimmung und Kopfnicken. Wenn es aus Piratenrichtung Kritik gibt dann nur deswegen, weil eine Schutzbestimmung aus unserer Sicht nicht weit genug geht – das Fernmeldegeheimnis ist beispielsweise für den Bereich der Telekommunikation oft bis zur Unkenntlichkeit aufgeweicht, die Hemmschwelle zur Wohnungsdurchsuchung auf die elektronische Art und Weise scheint nicht allzu hoch zu sein.

Thorsten Hoffmann, CDU-Abgeordneter im Bundestag ist einigen Piraten zwar suspekt, dennoch wagen wir es heute, einige bestimmte Aktivitäten von ihm in den Mittelpunkt zu stellen. Er liest nämlich auf Youtube Artikel aus dem deutschen Grundgesetz vor. Wir dürfen annehmen, dass der ehemalige Polizeihauptkommissar der Einhaltung des Gesetzes positiv gegenüber steht. Und so kommt es auch in seinen kleinenFilmchen rüber. Da wir außerdem immer erfreut sind, wenn ein CDU-ler die “neuen Medien” benutzt, sind wir so frei, einer guten Sache der politischen Konkurrenz eine kleine Bühne zu geben.

 

YouTube-Video: https://www.youtube.com/watch?v=JF9OWKKXO9s

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6. September 2017 - 15:35

Medienmittwoch: StarStar Space

Video | CC BY Jonathan Dehn

Heute wollen wir euch beim Medienmittwoch wieder einmal etwas von der Künstlerin Coldmirror vorstellen. Der Youtube-Star mit etwas ungewöhnlichen Denkmustern beschert ihren Fans seit einiger Zeit eine Serie, die den klingenden Titel “Star Star Space” hat. Daraus kann man bereits herauslesen, um was es geht. Sterne und Weltraum – also eine Parodie auf all die Sci-Fi-Werke, die da so im Medienraum umherschwirren.

An Bord der USS Ente gehen Captain Captenne Capitanöse, der Menschen-hassende Roboter A.R.S.C.H. und Commander Dave auf Abenteuerreise in die unendlichen Weiten. Wie von Coldmirror gewohnt gibt es dabei sexistische, absurde, moralisch fragwürdige und einfach nur schlechte Witze, die neben einfachen Zeichnungen die völlig abstruse Story salzen. Und wie immer bei Coldmirror ist das ganze höchst unterhaltsam!

YouTube-Video: https://www.youtube.com/watch?v=jn3wG4z_Scw

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5. September 2017 - 17:08

Die Flaschenpost auf der GamesCom 2017 – Teil 4

Quelle: Paradox

Aufbauspiele gibt es sicherlich nicht gerade wenige, aber Suviving Mars möchte mehr sein als eine reine Aufbau-Simulation. Das Spiel setzt sich zudem mit den aktuellen Anstrengungen auseinander eines Tages auf den Mars zu reisen oder ihn gar zu besiedeln. So findet man sich auf dem roten Planeten wieder und schickt sich an, dort eine möglichst florierende Siedlung zu erschaffen. Was braucht jedoch jede Siedlung um überhaupt die Arbeit aufnehmen zu können? Genau, Bewohner. Neue Bewohner müssen zumindest zu Anfang mit einer Rakete von der Erde eingeflogen werden. Die zur Verfügung stehenden Bewerber kann man mittels zahlreicher Filter wie beispielsweise der Altersgruppe oder einer ganz bestimmten Spezialisierung so gut es geht an die aktuellen Erfordernisse anpassen. Schließlich bietet eine solche Rakete nicht unendlich Platz. Im späteren Verlauf und wenn die Bewohner der neuen Siedlung glücklich sind, kommen vielleicht auch von ganz alleine weitere Bewohner hinzu. Das ist auch gut so, weil neue Raketen sind nicht gerade billig. Da ist es sinnvoll, die gerade gelandete Rakete erneut zu betanken und mit seltenen Rohstoffen zurück zur Erde zu schicken. Das könnte dem Konto ein wenig Erholung verschaffen.

Quelle: Paradox

Der Mars selbst ist sicherlich auch nicht der ideale Ort für eine neue Siedlung, was den Survival Aspekt mit ins Spiel bringt. Auf der Erde so selbstverständliche Dinge wie Wasser und Sauerstoff müssen dort erst gefördert werden. Auch Strom braucht so eine Siedlung nicht gerade wenig. Kommen dann noch Sandstürme auf und so manche Produktion stellt plötzlich ihre Arbeit ein, können die Vorräte schnell knapp werden.

Das Spiel soll im Jahre 2018 für den PC (Windows und Linux), sowie den aktuellen Konsolen erscheinen. Genauer möchten sich der Entwickler noch nicht festlegen. (Trailer)

 

Quelle: CD Projekt Red

Auch vom Sammelkartenspiel Gwent gibt es neues zu berichten. Dieses aus Witcher 3 entwachsene Mini-Spiel befindet sich aktuell in der OpenBeta und ist noch während der GamesCom in den ESport gestartet. Die nun gestarteten Gwent Masters finden weltweit in verschiedenen Online Turnieren, aber auch lokalen Events statt. An ihrem Ende sollen im Januar 2019 die World Masters gespielt werden und den wahren Gwent Weltmeister küren. Immer wieder erstaunlich, was aus einem Mini-Spiel so alles werden kann, wenn die Community Spaß daran hat und der Entwickler mitzieht.

Verstärkt werden wird das Spiel nun mit der ersten Erweiterung mit dem klangvollen Namen Thronebreaker mit der außer neuen Karten auch eine Single-Player Kampagne eingeführt werden wird. Die Erweiterung soll noch in diesem Jahr für PC und die aktuellen Konsolen erscheinen. (Trailer)

 

Quelle: Techland

Mit Pure Farming, habe ich mir sogar mal einen Farming-Simulator angesehen, der sich allerdings ein wenig von der Konkurrenz abheben möchte. Zu Beginn wird es mit den USA, Japan, Kolumbien und Italien vier spielbare Regionen geben. Der Spieler startet in einer dieser Regionen und baut sich dort ein nach Möglichkeit gewinnbringendes Unternehmen auf. Mit diesen Gewinnen kann man dann in andere Regionen expandieren und auch dort seiner Arbeit nachgehen. Alle Regionen laufen immer zeitgleich, so das sich nach und nach ein weltumspannendes Imperium aufbauen und bewirtschaften lässt.

Als erste Erweiterung wurde nun die Region Deutschland angekündigt, die ebenfalls wieder neue Ressourcen mit sich bringt. Neben dem Kaffee aus Kolumbien und den Oliven aus Italien wird es dann wohl auch Raps aus Deutschland geben, um nur einige der Möglichkeiten zu nennen. Leute die es nicht erwarten können und das Spiel vorbestellen, wird diese erste Erweiterung kostenlos zur Verfügung gestellt.

Das Spiel soll am 13. März 2018 für PC und die aktuellen Konsolen erscheinen. (Trailer)

 

CCBY Patrick Wirtensohn

Bereits erschienen ist mit Uncharted: The Lost Legacy der nächste Teil der Uncharted Reihe. Dieses mal bekommt der Spieler zwei Frauen zur Seite gestellt, die bereits in früheren Teilen eine Rolle gespielt haben. Chloe Frazer ist aus den Teilen 2 (Among Thieves) und 3 (Drake’s Deception) bekannt und die Söldnerin Nadine Ross feierte gerade erst in Teil 4 (A Thief’s End) ihr Debüt. Gemeinsam machen die zwei sich auf um ein sagenumwobenes indisches Artefakt zu bergen, das ansonsten Kriegsgewinnlern in die Hände fallen würde.

Tief in den Bergen von Indien raufen sie sich zusammen um das Geheimnis des Artefakts aufzudecken. Sie setzen sich gegen heftigen Widerstand der teilweise schwer bewaffneten Gegnern zur Wehr und schicken sich an, die Region vor dem möglichen Chaos zu bewahren. Jeder weiß natürlich das so eine Mission selbst auch einiges an Chaos verursachen kann. (Trailer)

 

Quelle: Sony

Als große Überraschung stellte sich Detroit become Human heraus. Das Spiel hatte ich im Vorfeld nicht auf dem Schirm gehabt, aber da es hier morgens praktisch keine Schlange gab, habe ich es mir angeschaut und angespielt. In einer nicht allzu weit entfernten Zukunft haben Androiden eine Reihe von alltäglichen Aufgaben übernommen. So auch in der kurzen Demo in welcher der Spieler als Ermittler Android an einen Tatort gerufen wurde. Nachdem man sich beim ranghöchsten Polizisten vor Ort gemeldet hat, steht schon die erste Entscheidung an. Entweder man geht sofort hinaus und versucht den durchgedrehten Androiden zu stoppen und die Geisel zu retten, oder aber man findet erst mal mehr über den Sachverhalt heraus. Ich habe mich für die Nachforschungen entschieden und konnte so herausfinden das der Android und die kleine Geisel eigentlich ein sehr gutes und inniges Verhältnis zueinander hatten. Allerdings wollte der Vater der Kleinen den Androiden durch ein neueres, weibliches Modell ersetzen, was diesem wohl ein paar Sicherungen hat durchknallen lassen.

Quelle: Sony

Das Spiel hat sich sehr flüssig angefühlt und so bin ich sehr darauf gespannt später in die Rolle der drei Androiden Connor, Kara und Markus zu schlüpfen um mit ihnen diese Geschichte zu erleben. Jede Entscheidung wird dabei weitreichende Folgen nach sich ziehen und kann sogar zum Ableben eines Protagonisten führen. Der Spieler sieht sich dann allerdings nicht zwangsläufig einem “Game Over” gegenüber, sondern muss mit den neuen Gegebenheiten klar kommen und sich der neuen Situation anpassen.

Das Spiel soll 2018 exklusiv für die PS4 erscheinen. (Trailer)

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4. September 2017 - 17:07

Die Flaschenpost auf der GamesCom 2017 – Teil 3

Quelle: Kalypso Media

Eine weitere Wirtschaftssimulation von Kalypso Media ist Railway Empire, welche ebenfalls auf der GamesCom vorgestellt wurde. Zeitlich findet man sich grob um das Jahr 1900 wieder und somit in der Hochzeit der Eisenbahn Tycoone. Als persönlicher Tycoon stehen verschiedene Charaktere zur Verfügung und jeder Charakter bietet seine ganz persönlichen Boni. Nett ist, dass jeder nicht gewählte Charakter zum Konkurrenten werden kann und die Boni somit dem Gegenspieler, auch der AI, zur Verfügung stehen. Als bisher einmalig, zumindest wenn meine Erinnerung mich nicht täuscht, ist es möglich Personal auf den Zügen einzusetzen. So ist es beispielsweise möglich Personal zum Schutz auf dem Zug mitfahren zu lassen. An diesem Beispiel wird auch schön deutlich, das jedes Personal natürlich ebenfalls wieder Boni oder Buffs für den Zug mitbringen können.

Quelle: Kalypso Media

Auch um den Techtree hat der Entwickler sich Gedanken gemacht und direkt zwei geschaffen. Einer kümmert sich um die Weiterentwicklung der Lokomotiven, der zweite um die Verbesserung der Firma oder den entsprechenden Anhängen der Firma. Somit ist es möglich zahlreiche Verbesserungen vorzunehmen, ohne immer direkt alles neu bauen oder austauschen zu müssen.

Das Spiel erscheint im ersten Quartal 2018 für PC, Linux und die aktuellen Konsolen. (Trailer)

 

Quelle: Kalypso Media

El Presidente kehrt mit Tropico 6 zurück in seine paradiesische Inselwelt und er hat viele neue Ideen wie er seine Insel führen möchte. Das ist auch ganz gut so, denn die Wahlreden sind zurück und er möchte ja an der Macht bleiben. Wird er ein nachsichtiger oder ein gnadenloser President sein, das wird die Zukunft zeigen. Immerhin hat unser einsame Herrscher es dieses mal nicht mit nur einer Insel zu tun, sondern direkt mit mehreren die sich durch Brücken oder auch Schiffe verbinden lassen. Diese weiten Wege wirken sich natürlich auch auf die Arbeits- und Transportwege aus. Sämtliche Bewohner von Tropico sind inzwischen voll simuliert und haben alle ihre eigenen Bedürfnisse und Vorlieben. Es wird wohl nicht ganz leicht werden sie alle glücklich zu machen, oder zu unterjochen.

Quelle: Kalypso Media

Neu sind außerdem die Spione, die nun Einzug auf der Insel feiern. Durch diese Spione lassen sich auch Weltwunder oder Sehenswürdigkeiten klauen. So kann beispielsweise der Eiffelturm aus Paris geklaut und auf der eigenen Insel wieder aufgebaut werden. Insgesamt stehen 17 dieser Sehenswürdigkeiten zur Verfügung die alle auch ihre ganz eigenen besonderen Effekte mit auf die Inselwelt bringen. Alles in allem spielt sich Tropico 6 sehr ähnlich zu den alten Teilen, allerdings bringen die Neuerungen wieder reichlich neues Potenzial mit ins Paradies.

Das Spiel erscheint 2018 für PC und alle aktuellen Konsolen. (Trailer)

 

Quelle: Turtleneck Studios

Das kleine Entwickler Studio Turtleneck hat mit Rite of Ilk den großen Treffer gelandet und direkt den gamescom Award gewonnen. Meiner Meinung nach aber durchaus verdient, denn das Spiel geht durchaus andere Wege. Wege die sich die großen Entwickler nicht trauen, da sie nun mal nicht dem Massenmarkt entsprechen. So sei direkt zu Anfang gesagt, dass man dieses Spiel ausschließlich im Koop Modus spielbar ist. Es muss zu zweit gespielt werden, entweder gemeinsam auf dem Sofa, oder mit einer Online Verbindung. Damit sollten genügend Möglichkeiten zur Verfügung stehen die Abenteuer gemeinsam mit einem Freund zu bestehen.

Quelle: Turtleneck Studios

Die beiden Kinder Mokh und Tarh sind durch ein Seil miteinander verbunden und können sich dadurch maximal 10-15 Meter voneinander entfernen. Beide haben die gleichen Fähigkeiten, müssen aber zusammen arbeiten um bestehen zu können. So kann man sich beispielsweise über Abgründe schwingen, indem ein Spieler sich festhält und der andere frei schwingt. Oder aber es lassen sich Säulen umreißen. Es gibt viele Möglichkeiten das Seil sinnvoll oder auch absolut unsinnig einzusetzen.

Das Spiel soll Ende 2018 für den PC erscheinen, da das Studio allerdings nur aus 9 Leuten besteht, kann es auch Anfang 2019 werden. (Trailer)

 

The Pillars of the Earth – Quelle: Daedalic

Bereits Mitte August ist Buch 1 von The Pillars of the Earth erschienen. Auf der GamesCom wurde dann Buch 2 vorgestellt. Insgesamt wird dieses Adventure in 3 Büchern erscheinen und den Bestseller von Ken Follett, welcher 1989 erschienen ist, nacherzählen. Die Grafik ist schön gezeichnet (über 200 handgemalte Hintergründe) und spiegelt sehr passend die Stimmung wieder. Um sich einen Eindruck zu verschaffen, darf auch gerne mein Let’s Play dazu anschauen.

Die Geschichte spielt im 12. Jahrhundert erzählt von der fiktiven Stadt Kingsbridge und dem Bau der dortigen Kathedrale. Im Lauf der Geschichte schlüpft der Spieler in die Rolle verschiedener Charaktere wie beispielsweise dem jungen Jack der im Wald als Ausgestoßener aufgewachsen ist und seine Liebe zur Architektur entdeckt. Auch von Aliena und ihrem jüngeren Bruder Richard erzählt die Geschichte. Diese müssen auf sich alleine gestellt, nachdem ihr Vater der Earl von Shiring umgebracht wurde, überleben. In der Gestalt von Philip, einem geistlichen, erlebt der Spieler zahlreiche Intrigen rund um das Königshaus, den Bischof und weiteren Personen dieser Geschichte.

Die Geschichte, welche als Buch über 26 Millionen mal verkauft wurde, spielt sich spannend und mitreisend. Buch 2 soll im Dezember 2017, Buch 3 im ersten Quartal 2018 für PC, MAC und auch Linux erscheinen. (Trailer)

 

God’s Trigger – Quelle: Techland

Wer es lieber blutig und brutal mag, dem sei God’s Trigger empfohlen, das durch Techland vertrieben wird. Dieser neue Topdown Shooter – ja, auch einen Shooter stellen wir vor – wird zu zweit im Koop Modus gespielt. Das Zusammenspiel ist auch wichtig, denn die Gegner sind alles andere als dumm und auch sie arbeiten zusammen. Selbst gemeinsam ist das Spiel alles andere als leicht, macht aber dennoch erschreckend viel Spaß. Wer sich allerdings von Niederlagen zu sehr abschrecken lässt, sollte direkt die Finger davon lassen. Die Spieler müssen gemeinsam gegen niemand geringeren als die Reiter der Apokalypse antreten. Auch hier steht also ein Weltuntergangsszenario im Vordergrund.

Das Spiel erscheint im ersten Quartal 2018 für (Trailer)

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3. September 2017 - 11:03

Die Flaschenpost auf der GamesCom 2017 – Teil 2

Quelle: Assemble Entertainment

Am zweiten Tag habe ich mir einen sehr sehr alten Bekannten angeschaut. Pizza Connection 3 wird die Fortsetzung des letzten Teils aus dem Jahre 2001. Ein Grundlegender Bestandteil des Spiels ist natürlich wieder der Pizza Creator mit dem man seine eigenen Pizzen gestalten kann. Neu ist, das man nun auch die Form des Teigs bestimmen kann und damit wirklich ausgefallene Pizzen schaffen kann. Wer das schon ausprobieren möchte, der Pizza Creator ist bereits jetzt kostenlos bei Steam. Es wird allerdings nicht möglich sein, seine Kreationen daraus in das spätere Spiel zu übernehmen. Hier ist sich der Entwickler einfach noch nicht sicher wie viel noch geändert wird. Testen lohnt sich dennoch, denn die ausgefallensten Pizzen können Preise gewinnen zu denen unter anderem auch Keys für die finale Version gehören.

Ebenfalls weiter entwickelt wurden die Bewohner der verschiedenen Städte zu denen zu Beginn London, Rom und Paris mit ihren einzigartigen Wahrzeichen gehören werden. Diese sind nun vollständig simuliert, haben einen Wohnort, eine Arbeit und natürlich auch Freizeit. Je nach Bevölkerungsschicht bewegen sie sich unterschiedlich in der Stadt und mögen unterschiedliche Pizzen. Wer kein großes Restaurant aufbauen möchte, kann sich ebenfalls als Lieferdienst durchschlagen. Diese wurden weiter verbessert und es ist nun auch möglich ausschließlich auf diesen Lieferdienst zu setzen. Das Spiel wird im Frühjahr 2018 auf Steam erscheinen. (Trailer)

 

Quelle: Kalypso Media

Das Ultimativ Böse ist zurück und verspricht mit Dungeons 3 wieder viel Spaß mit zu bringen. Nachdem das ultimativ Böse nun endlich alle Völker des Bösen vereint hat, ist es nun Zeit für den nächsten Schritt, der Unterwerfung der Oberwelt mit vereinten Kräften. Erneut heißt es also im Schutze der Dunkelheit einen einzigartigen unterirdischen Dungeon zu errichten und von dort in die verhasste Oberwelt vorzudingen. Unterirdisch verhält sich das Spiel wie ein Dungeon Simulator bekannt von alten Spielen wie Dungeon Keeper. Im Lichte der Oberwelt jedoch muss man sich mit Echtzeit-Strategie beweisen. Als Unterstützung steht dem ultimativ Bösen nun die Dunkelelfen Prinzessin “Thalya” zur Seite, welche einen Teil der Aufgaben übernehmen kann und natürlich vor allem die Horden in der Oberwelt anführen soll. Erstmals bietet Dungeons 3 komplett zufallsgenerierte Level, sodass nun keine Partie mehr der letzten gleicht. Auch der neue Forschungsbaum wurde überarbeitet, da er nun alle Fraktionen miteinander vereint. Um die Forschungen freizuschalten, benötigt man eine neue Ressource. Diese verdient man durch Kämpfe an der Oberwelt.

Quelle: Kalypso Media

Natürlich wird es auch ein paar neue Räume geben. Als Beispiele seien genannt das Gefängnis in dem Bewohner der Oberwelt langsam sterben und dann die Untoten Armeen verstärken. Auch die Folterkammer dürfte lange herbeigesehnt sein, immerhin lassen sich hier die Helden überzeugen, das es sich für das ultimativ Böse doch viel lohnender kämpft. Das Spiel wird erneut durch den berühmt berüchtigten Dungeon Erzähler begleitet und kommentiert. Man kennt ihn ja bereits aus den vergangenen Teilen und weiß, das er keineswegs langweilig ist.

Erscheinen soll Dungeon 3 am 15. Oktober 2017 für PC und die aktuellen Konsolen. Also ran an die Tüftler und die Fallen verschärft, der Dungeon wird angegriffen. (Trailer)

 

Quelle: Kalypso Media

Auch Shadow Awakening geht in eine ähnliche Richtung und bietet als reines Singleplayer RPG mal wieder eine taktische Abwechslung. Der Spieler übernimmt hier die Kontrolle über Devourers, einem aus der Schattenwelt herbeigerufenen Dämonen. Er kann sich in der Schattenwelt bewegen und mit Kreaturen in dieser interagieren. Um jedoch in der realen Welt interagieren zu können, stehen ihm bis zu 15 weitere Charaktere mit je 6 Fähigkeiten zur Seite. Allerdings sind alle Charaktere in einem Wesen vereint und man kann immer nur einen steuern. Natürlich geben die anderen auch gerne mal ihren Senf dazu, so kann es passieren, dass man vielstimmig ausgelacht wird, wenn man eine Stelle gerade versemmelt hat. Zwischen den Charakteren und damit auch den beiden Welten, kann man jederzeit hin und her wechseln und auf diese Weise verborgene Orte betreten, mit weiteren Kreaturen interagieren oder aber auch einen Taktischen Vorteil in seine Kämpfe bringen. Das Spiel besteht allerdings nicht nur aus Kämpfen, sondern auch aus Rätseln die es zu lösen gilt.

Jede Entscheidung im Spiel zieht Konsequenzen nach sich. Durch manche Entscheidungen bekommt man neue Begleiter hinzu, andere verhindern eben dies. Beinahe schon selbstverständlich ist es, dass das Spiel nicht nur ein Ende hat, sondern je nach Entscheidungen verschiedene. Beim anspielen konnte ich mich von den verschiedenen Aspekten des Spieles überzeugen und habe auch einen Boss kennen gelernt. Jeder Boss hat seine eigenen Fähigkeiten und muss auf verschiedene Art und Weise bekämpft werden. Was bringen einem schon Feuerbälle gegen einen feuer resistenten Gegner, auch wenn man die Magierin noch so lieb gewonnen hat. Alles in allem spricht der Entwickler aktuell von über 40 Stunden Gameplay.

Das Spiel soll mit vollständiger Deutschen Sprachausgabe Mitte 2018 auf allen aktuellen Konsolen und dem PC erscheinen. (Trailer)

 

Quelle: THQ Nordic

Kommen wir nun mit BioMutant zu einem anderen Genre. Der Publisher THQ Nordic ordnet es als Openworld Action RPG ein und nach dem ersten paar Minuten kann ich diese Einordnung nachvollziehen. Als erstes erstellt man seinen ganz eigenen kleinen Biomutanten. Hierfür hat man einige Regler welche die Fellfarben, die Felllänge (flauschi) und den Körperbau bestimmen. Den Unterschied zwischen der männlichen und der weiblichen Figur war für mich nun in der Stimme erkennbar. Allerdings habe ich auch eine frühe Version des Spieles ausprobiert. Das Spiel beginnt dann in einem Bunker der auch als Tutorial genutzt wird. Während der Suche nach einem Ausgang lernt man die Steuerung und auch erste Gegner kennen. Auch seine Fähigkeiten bekommt der kleine Biomutant in diesem Bunker.

Für mich war dieses Spiel eine der Überraschungen der diesjährigen Gamescom und es steht jetzt schon klar auf meinem Wunschzettel. Biomutant soll 2018 für PC und die aktuellen Konsolen erscheinen. (Trailer)

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2. September 2017 - 15:02

Die Flaschenpost auf der GamesCom 2017 – Teil 1

Die gamescom 2017 hat wie gewohnt die Rekorde und Zahlen aus dem Vorjahr übertroffen. Rund 350.000 Besucher waren zu Besuch in Köln, hinzu kamen fast 31.000 Fachbesucher. Auch die Fläche wurde erneut vergrößert doch bald hat auch die Messe Köln ihre Kapazitäten erreicht. Gut das bereits gebaut wird …

Ich war wieder drei volle Tage auf der gamescom und habe mir allerlei neue Spiele, Ankündigungen und natürlich auch wieder die kleinen Indie Studios angesehen. In den nächsten Artikeln werde ich ausführlich darüber berichten und Euch hoffentlich begeistern.

 

CC BY Patrick Wirtensohn

Ich fange mit einer wahren Erfolgsgeschichte an. ARK: Survival Evolved von Studio Wildcards ist wohl das, was man einen gelebten Traum nennen kann. Bereits vor zwei Jahren, am 3. Juni 2015 ging ARK auf Steam in den sog. “Early Access”. Man könnte dies als öffentliche Beta bezeichnen, für die man allerdings in den meisten Fällen zahlen muss. Dafür bekommt man vollständigen Zugriff auf das Spiel und all seine Updates. Im Falle von ARK war es mindestens ein Update pro Monat in dem neuer Inhalt dazu gekommen ist. Neue Dinosaurier, neue Mechaniken, neue Karten und und und. Angefangen hat alles mit sieben Leuten in einem Wohnzimmer, inzwischen hat Studio Wildcard über 40 Mitarbeiter. Hinzu kommen sponsored Modder aus der riesigen Modding-Community, die rund um ARK entstanden ist. Ein paar besonders gute Modder wurden sogar eingestellt um sich nun voll und ganz auf ARK konzentrieren zu können. Am 29. August 2017 ist es nun endlich soweit und ARK wird ganz offiziell released. Das ganze soll mit einem weiteren großen Content Update einhergehen. Spieler welche das Spiel bereits in der Early Access Phase gekauft haben, müssen es natürlich nicht erneut kaufen.

Quelle: playark.com

Nach dieser Erfolgsgeschichte aber mal zum eigentlichen Spiel. Der Spieler strandet als relativ nackter Mann oder Frau in einem ARK, meist an einem Strand. Damit man in diesem ARK nicht ganz alleine ist, gibt es außer dem lokalen Spiel auch die Möglichkeit des Online Spieles. Dieses kann auf offiziellen Servern laufen, aber auch auf privaten. Letzte können gemietet werden, oder aber auch selbst installiert werden. Es gibt sowohl für Windows, als auch für Linux gute Anleitungen. Die Bewohner des ARKs müssen sich jedenfalls mit der dort lebenden Flora und Fauna herumschlagen. Die Dinosaurier der ARK können in den meisten Fällen auch gezähmt werden und man kann mit den gezähmten Tierchen dann auch weiter züchten.

Mein Tip: Behaltet das Spiel im Auge und schlagt einfach mal bei einem Angebot auf Steam zu. Ich finde es lohnt sich. Das Spiel läuft auf Windows, Mac, Linux und den aktuellen Konsolen. Oh und wer das Spiel schon hat, die Collectors Edition aber einfach zu toll findet, der sollte ebenfalls einfach noch abwarten. Mir wurde gesagt, das dieses “Problem” bekannt ist und man ein Packet schnüren will in dem alle Sachen der Collectors Edition sind, aber eben kein Spiel.

 

Quelle: Gameforge

Der deutsche Publisher Gameforge hat in diesem Jahr das koreanische Soulworker auf der gamescom vorgestellt. Das Spiel vom Entwickler Lion Games ist ein Third-Person Action-MMORPG im Anime-Style für den PC. Der Spieler übernimmt in einem post apokalyptischen Szenario die Rolle eines SoulWorkers. Diese wurden zur Rettung der Menschheit auserkoren und müssen sich in über 100 PVE-Dungeons gegen episodenspezifische Bosse kämpfen. Zusätzlich gibt es mit Distrikt 6 einen PvP Bereich in dem die Spieler auch gegeneinander im Kampf antreten können. Ein einzigartiges Emotionssystem, das mit Stimmungen wie Rache, Wahnsinn, Euphorie oder Trauer einhergeht, definiert die Fähigkeiten der Charaktere. Die Konzentration auf diese Gefühle aktiviert verschiedene Fähigkeiten zum Angriff oder zur Verteidigung.

Zu Beginn des Spieles werden vier Klassen zur Verfügung stehen. Die Open Beta soll demnächst starten, einen genauen Termin nennt Gameforge aber nicht. Das Spiel läuft auf dem PC und ist mit Controller oder Tastatur und Maus spielbar.

 

Quelle: Ubisoft

Von der Branchengröße Ubisoft gab es in diesem Jahr vor allem Assassin’s Creed Origins. Der nächste Titel in der erfolgreichen Serie spielt im alten Ägypten und wird natürlich wieder ein Open World Spiel sein. Die Welt ist derart groß gestaltet, das der Spieler Alexandria besuchen kann, aber auch Wüstenstädte, kleine Dörfer, die Stadt Memphis und die Pyramiden. Wie wir es gewohnt sind, wird auch Origins wieder eine vollständige Geschichte erzählen die mit zahllosen historischen Fakten untermauert wird. Bei diesem Titel ist es daher möglich ganz aus Versehen etwas über Geschichte zu lernen. Im Verlauf der Story wird man auf einige historische Personen treffen, wie beispielsweise Julius Caesar, Cleopatra oder auch ihren Bruder Ptolemy XIII. Neben der Hauptquest wird es auch wieder zahlreiche Nebenquests geben, die ebenfalls ihre Geschichte erzählen und für die Stimmung im Spiel beitragen. Das Kampfsystem wurde vollständig überarbeitet und soll nun den fliegenden Wechsel zwischen Nah- und Fernkampf erlauben.

Das Spiel erscheint am 27. Oktober 2017 und ist bereits vorbestellbar. Es wird auf PC und den aktuellen Konsolen verfügbar sein.

Quelle: Ubisoft

Des weiteren wurde auch Anno 1800 angekündigt, allerdings erst für Ende 2018. Die Ankündigung erfolgt so frühzeitig, da man aus der Vergangenheit lernen möchte. Die riesige Fangemeinde hat Ubisoft beim letzten Titel wertvolles Feedback gegeben. Leider war es in der Beta für vieles einfach schon zu spät und man konnte es nicht mehr ändern. Daher möchte man die Fans dieses man schon viel früher mit ins Boot nehmen. Dafür wurde die Plattform Anno-Union gegründet. Hier kann man sich kostenlos anmelden (UPlay Konto vorausgesetzt) und bekommt wohl frühzeitig Zugriff auf verschiedene Ausschnitte des Spieles. Danach wird um Feedback gebeten, welches in das fertige Spiel mit eingehen soll. Auch werden auf der Homepage immer wieder kleine Umfragen durchgeführt. Aktuell beispielsweise welcher Charakter es ins spätere Spiel schaffen soll. Meiner Meinung nach eine sehr gute Idee die zeigt, das zumindest bei Anno gerne auf die Fans gehört wird.

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1. September 2017 - 16:00

Was eine Wahl vom Roulettespiel unterscheidet

CC-BY-2.0 | Piratenpartei Deutschland

Am 24. September wird der 19. Bundestag gewählt. Zur Wahl stehen CDU und SPD sowie kleinere Parteien, die ihnen als potentielle Koalitionspartner zur Seite stehen. Der Wähler wird in der Hoffnung, mit bei den Gewinnern zu sein, wie am Roulettetisch auf Sieg setzen: Schwarz oder Rot, wer den Nervenkitzel sucht setzt auf die Null. Für kleine Parteien ist kein Platz im politischen Spiel oder wie Guido Westerwelle es ausdrückte “eine Stimme für den Gulli”. Doch ist eine Parlamentswahl kein Roulettespiel sondern etwas, bei dem nach der grössten politischen Übereinstimmung abgestimmt werden sollte. Es geht nicht darum auf der Seite der Sieger stehen sondern dort, wo die eigenen Interessen vertreten werden.

Schwarz und Rot sind eine “sichere Bank”, wer seine Belange dort aber nicht vertreten sieht ist schlecht beraten sie auf dem Wahlschein trotzdem anzukreuzen – nur um bei Bekanntgabe des ersten Trends in Jubel ausbrechen zu können. Wer trotz der 5%-Hüde eine kleine Partei wählt zeigt Haltung, stimmt nach eigener Überzeugung ab und kreuzt an der Stelle an, die die richtige Politik verspricht. Denn das ist es, worum es bei einer Wahl geht: Für die richtige Politik zu stimmen. Alle anderen Überlegungen, von “verschenkt” bis zu “chancenlos” gehen in die falsche Richtung. Dabei ist es nicht die Schuld des Wählers wenn die Stimme letztlich im “Gulli” landet, es ist ein Fehler im politischen System dass Stimmen einfach verpuffen – bei der letzten Bundestagswahl machten über 6.8 Mio Bürger diese Erfahrung, mehr als Hessen Einwohner hat!

Gegenüberstellung der SZ-Darstellung “Facebook-Abonnenten” mit der Liste der Parteien auf Facebook selbst | Screenshot

Die Benachteiligung der “Sonstigen” beginnt jedoch schon im Wahlkampf. In einem Thesencheck zu Digitalthemen zur Bundestagswahl bekamen nur die Parteien die Wahlprüfsteine geschickt, deren Wahl praktisch schon ausgemacht ist, in der #Wahlkampfarena zur Gamescon wurden nur Fraktionen eingeladen, die auf Landes- oder Bundesebene bereits Regierungsverantwortung (!) getragen haben. So wird die Diskussion unter Generalsektretären gerade jener Parteien geführt, die bei Computerspielen den Blick nur auf Umsätze, Regulierung, Urheberrecht und Jugendschutz legen: CDU, SPD, Grüne, FDP und Linke. Ob das im Interesse der Messebesucher ist darf bezweifelt werden.

Beim Lörracher Wahltaxi der Landeszentrale für politische Bildung wurde Sabin Schuhmacher, die Piratenkandidatin, erst ein-, dann wieder ausgeladen. Ihre Teilnahme wäre “eine Benachteiligung anderer kleiner Parteien” hies es. Mit der Begründung der Gleichbehandlung wurden allerdings einzig eine Bewerberin einer kleinen Partei aus dem Meinungsbildungsprozess gekegelt, gelistet ist daneben noch der Vertreter einer internationalistische Liste – mehr “kleine” kandidieren in Lörrach nicht. Schon bei der Landtagswahl im Saarland war die “Konzentration auf das Wesentliche” feststellbar. Bisher wurden zum Wahlkampf nur die Parteien zur Wahlkampfrunde des Saarländischen Rundfunks eingeladen, die bereits im Landtag sassen. Das war 2012 für die Piraten bitter, da die Umfragen keine Zweifel daran liesen dass es für eine eigene Fraktion reichen würde. 2017 änderte der SR quasi während die Kugel schon rollte die Spielregeln: Ins Studio durften nur Parteien mit Chancen – wieder bitte für die Piraten. Ähnlich phantasievoll ging die Saarbrücker Zeitung in der Darstellung der Facebook-Abonenten vor. Denn gezeigt wurde nur eine Auswahl der Parteien die mit der Relevanz auf Facebook eine Lücke enthielt.

Das Kreuz, aus Ermangelung an bekannten oder reellen Alternativen bei “rot” oder “schwarz” gemacht, wird schnell in Frust über nicht erfüllte Hoffnungen umschlagen. Denn die Erwartung “für mich wird bestimmt auch Politik gemacht” ist ein einseitig geschlossener Vertrag von dem die Parteien im Parlament nichts wissen – in der Politik zählt nur das Wahlprogramm, das allerdings nur die wenigsten Wähler gelesen haben dürften.

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23. August 2017 - 17:02

Medienmittwoch: Catana Comics

Text | CC BY Jonathan Dehn

Einfach gezeichnete Comics scheinen gerade recht angesagt zu sein. Auch das Webcomic, das wir euch heute vorstellen, fällt in diese Sparte. Catana nennt es sich und handelt im Großteil aller Strips von der Gefühlswelt, man mag es sich schon gedacht haben, Catana. Catana ist eine Frau in einer glücklichen Beziehung. Und das Glück in dieser Beziehung wird in den liebenswerten Comics immer wieder aufs Neue ausgedrückt.

Dabei strahlen die einfach gehaltenen Bilder immer eine grundständige Ehrlichkeit und Unbeschwertheit aus. Es sind vielleicht nicht die tiefsinnigsten Zeilen, die man dort lesen kann, aber für einen unbedenklichen Schmunzler zwischendrin taugen die Comics von Catana allemal.

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14. August 2017 - 8:00

Bewahrt uns vor einem ausufernden Bundestag und vor der Benachteiligung kleiner Parteien

Anzahl der Abgeordneten über 17 Wahlperioden | Quelle der Zahlen: Wikipedia

Mit dem Wahlrecht ist es wie mit dem Steuerrecht: Es versucht gerecht zu sein, indem alle Eventualitäten berücksichtigt werden. Durch die Kombination von Direktwahl und Verhältniswahl, von Erst- und Zweitstimmen, bekommt eine Partei, die so wenige Zweitstimmen erhalten hat, dass ihr proportional weniger Mandate zustehen als sie aufgrund von Direktmandaten erhalten müsste, diese durch Überhangmandate ausgeglichen. Damit andere Parteien dadurch nicht benachteiligt werden, bekommen diese Ausgleichsmandate.

Ohne die fänden nur 598 Abgeordnete im Bundestag Platz, die tatsächliche Zahl ist jedoch höher: 631 Parlamentarier in vier Parteien vertreten im 18. Bundestag die Bevölkerung. Mit jeder zusätzlichen Partei könnte die Anzahl der Sitze weiter steigen – der Tagesspiegel geht unter bestimmten Voraussetzungen von bis zu 750 Mitgliedern im 19. Bundestag aus.

Eine Petition von Karin Duden verlangt eine “Kappung der Überhang- und Ausgleichsmandate eines zukünftig übergroßen Bundestages unter Berücksichtigung der ‘sonstigen’ Stimmen”. Die Berechnung der Sitze verliefe damit in vier Schritten:

  1. Nach der Stimmenauszählung wird zunächst der prozentuale Anteil der “sonstigen” Stimmen ermittelt, die wegen der 5 %-Klausel wegfallen würden.

  2. Um diese Rate wird dann die Anzahl der Bundestagssitze (normalerweise 598) verkleinert (z.B. bei 10% auf 538 Sitze).

  3. Diese verkleinerte Sitzanzahl wird – wie beim Verhältniswahlrecht üblich – auf die Parteien verteilt.

  4. Danach können Überhang- und Ausgleichsmandate – wie bisher – berechnet und angewendet werden.

Der Vorschlag ist einfach gestaltet und ohne große Probleme umsetzbar. Allerdings fehlen noch Unterstützerstimmen. Dies ist mit drei Klicks zu ändern.

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11. August 2017 - 16:30

Eigentlich wollte ich in diesem Jahr aus politischen Gründen keinen Urlaub in der Türkei machen, aber …

Eigentlich wollte ich in diesem Jahr aus politischen Gründen keinen Urlaub in der Türkei machen, aber …

… so twitterte ich am 16. Juli 2017, kurz nachdem meine Frau und ich den diesjährigen Sommerurlaub in der Region Izmir gebucht hatten.

Doch wie kam es dazu? Eigentlich war für mich von Anfang an klar, dass ich solange keinen Urlaub mehr in der Türkei machen werde, solange die türkische Regierung Juristen, Lehrer, Journalisten und andere Personen ohne hinlängliche Beweise unter Terrorverdacht stellt, sie daraufhin zu Zigtausenden verhaftet und für eine lange Zeit in Untersuchungshaft behält. Eine Regierung, die sich anschickt, die Todesstrafe wieder einzuführen.

Technische Rechtfertigung:

Aus beruflichen und familiären Gründen war es in diesem Jahr nicht möglich, frühzeitig zu buchen, wir waren auf Last-Minute angwiesen. Die passenden Angebote kurz vor Toreschluss waren aufgrund dessen, dass viele Menschen so denken wie ich und lieber – zum Beispiel – Spanien gebucht hatten, nicht vorhanden. Es blieb am Ende nur die Türkei.

Nun waren wir schon oft in der Türkei: Nette Menschen, tolle Landschaft, Wettergarantie, Ausflugsmöglichkeiten ohne Ende, tolle Hotelanlagen gerade auch für Kinder und das alles schon immer für ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis. Da wir unter keinen Umständen auf einen Urlaub verzichten wollten, biss ich in den sauren Apfel.

Reisebericht:

Reisevorbereitung: Um mich und meine Familie zu schützen, lösche ich alle Posts auf Facebook und Tweets auf Twitter, die kritisch mit dem Thema Erdogan angehen. Ich zensiere mich also aus Angst selbst. Soweit sind wir schon gekommen.

Mit einem mulmigen Gefühl kamen wir am Flughafen in Izmir an. Wie würde die Passkontrolle verlaufen? Immerhin bin ich deutscher Kommunalpolitiker. Aber alles läuft glatt. Ich kann auch nicht erkennen, das andere Reisende verhaftet werden. Polizei ist nicht präsent.

Zwei Tage nach Ankunft in der Hotelanlage bemerke ich einen Hubschrauber, der über der Hotelanlage kreist. „Kommen sie mich holen?“ denke ich. Nein. Sie fliegen wieder weg.

Abends sitzen wir gemütlich mit anderen Deutschen zusammen. Dann kommt der Animateur T. zu uns und fragt uns (wahrscheinlich aufgrund unserer guten Laune aufgrund des Alkoholkonsumes) , was wir für eine Versammlung abhalten. Ich antworte aus Spaß: „Nein, nein. Das ist keine Versammlung. Das ist ja jetzt in der Türkei verboten.“ Die Deutschen lachen, Animateur T. verzieht das Gesicht. Wir wechseln das Thema.

Wir wollen den Bazar in Seferihizar besuchen. Der Taxifahrer ist in Deutschland aufgewachsen und kam vor ca. 20 Jahren in die Türkei. Er spricht also gut deutsch und wir unterhalten uns. Ich weiß nicht mehr, welches Pferd mich geritten hat, aber wir sprachen über die politische Situation. Aus dem Gespräch hängen geblieben ist mir, das der Taxifahrer offensichtlich pro Erdogan eingestellt war und davon überzeugt ist, das Gülen und die CIA unter einer Decke stecken und für den Putschversuch verantwortlich waren. Ich erläuterte, das ich mich an Fakten halte und seine Aussage natürlich weder unterstützen aber auch nicht widerlegen könne. Ich würde im übrigen niemandem mehr glauben. Weder Erdogan, noch Trump oder Merkel.

Fazit: Es ist mir auf meiner Türkeireise nichts passiert, aber die Angst war immer mein Begleiter.

Nachbetrachtung:

Jetzt, da ich wohlbehalten aus dem Urlaub zurückgekehrt bin – danke an die mitfühlenden Parteikollegen an dieser Stelle – bin ich wieder mutig und traue mich wieder, alles und jeden zu kritisieren. Doch was bleibt eigentlich übrig, wenn man die Erdogansche Politik sachlich kritisieren möchte und dessen Bestrebungen mit denen anderer Regierungen vergleicht – zugegeben mit laienhaftem Wissen?

Zunächst einmal bleibt die Angst, in der Türkei verhaftet zu werden, weil man anderer Meinung ist, als die türkische Regierung. Und das ist das Schlimmste.: das man überhaupt vor der Regierung Angst haben muss, egal ob man Bürger, Journalist, Lehrer, Jurist und Tourist ist. Und das diese Angst aufgrund der dokumentierten, vielen Verhaftungen mehr als berechtigt ist.

Doch reicht dieser Umstand, keinen Urlaub mehr in der Türkei zu machen?

Die aus meiner Sicht, wichtigsten weiteren drei Kritikpunkte an Erdogans Politik:

Kritikpunkt Todesstrafe: Ich lehne die Todesstrafe ab. Kann ich in ein Land reisen, dessen Regierung beabsichtigt, die Todesstrafe wieder einzuführen? In den USA und in China wird die Todesstrafe sogar durchgeführt, dann dürfte ich dahin auch nicht reisen. Punkt für die Türkei.

Kritikpunkt Verfassungsreform: Erdogan hat sein Volk gefragt, ob dieses die Verfassungsreform und damit ein Präsidialsystem befürwortet. Es war eine demokratische Entscheidung dafür. Und Frankreich und die USA haben auch ein Präsidialsystem. Das kritisiert aber kaum einer. Wieder Punkt für die Türkei.

Kritikpunkt Flüchtlingsdeal: Die Türkei beherbergt ein paar Millionen Flüchtlinge. Dänemark, Tschechien und Ungarn und viele andere nahmen kaum Flüchtlinge auf. Punkt für die Türkei. Hm…

Grundsätzlich sagt mir mein Bauchgefühl und mein Gerechtigkeitssinn: „Mache keinen Urlaub in der Türkei“, aber dann darf ich auch keinen Urlaub in den USA, in Venezuela, in Argentinien, in Brasilien, auf den Philippinen, in Ungarn, in Tschechien, in Dänemark, in Ägypten, in Tunesien und in vielen anderen Ländern der Welt machen. Vielleicht müsste ich sogar aus Deutschland auswandern.

Ich beobachte das Geschehen in der Türkei weiter. Vielleicht ändere ich ja meine Meinung.

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16. Juli 2017 - 14:39

Digitaltechnik erobert den Hobbybereich der Funkamateure

Wer dieser Tage die Messehallen in Friedrichshafen betritt, hört neben den typischen Geräuschen einer Messehalle unterschiedlichste Morsezeichen. Das überrascht nicht weiter, ist die HamRadio doch Europas größte Amateurfunkmesse. Der Blick in die Halle zeigt jedoch, dass die Digitalisierung schon lange in diesem Hobby angekommen ist, denn Amateurfunkgerät enthalten mehr Computertechnik, als es das Pieps-Pieps aus den Lautsprechern erwarten lässt.

Das zeigt auch ein Blick in das Vortragsprogramm. Von den 80 Terminen beschäftigen sich rund die Hälfte mit Digitaltechniken. Paradebeispiel für die schon vor langer Zeit vollzogene Digitaltransformation ist der Amateurfunksatellit Es’hail-2. Funkamateure schossen schon in den 70-er Jahren ihre eigenen Satelliten ins All, aber dieses neuste Modell wird nur zu einem geringen Teil “analoge” Sprache übertragen. Der weitaus größere Teil der Kapazitäten wird digitale Signale vom selbst produzierten DVB-Signal bis zur codierten Sprache übermitteln. Dass Digitaltechnik einen so hohen Stellenwert bei den Funkamateuren einnimmt, hat mit der technischen Weiterentwicklung auf einem verwandten Gebiet zu tun: Die letzten 100 Jahre machte die Technik der Empfänger zwar Fortschritte, aber keine revolutionären Schritte nach vorne. Das änderte sich um das Jahr 2000 herum, als dank schneller werdender Technik an die Antenne einfach ein Wandler angeschlossen wurde, der aus allem was die Antenne empfing einen Datenstrom machte, der in einen Computer geleitet wurde. Was der dann machte war eine Frage der Software. Um UKW Stereo empfangen zu können war plötzlich nur noch ein Programm notwendig. Sollte auch der Sendername angezeigt werden oder gar ein Fernsehbild …… alles wurde zu einer Frage der Software, doch Umbauten “am Gerät”, Investitionen und ähnliches, entfielen. Mit anderen Worten: Mit einem vorhandenen und gar nicht teuren Analog-Digital-Wandler konnte die Software für UKW-Radio, Polizeifunk, DCF77-Uhr, Fernseher und Babyphone angesteuert werden. Für neue Anwendungen und Experimente waren keine Bauteile und auch kein Lötkolben mehr notwendig – sondern nur noch das Wissen wie diese Software zu erstellen ist. So begann der Siegeszug des Software Defined Radios (SDR), das schon heute mehr die Regel, nicht die Ausnahme ist.

Sieht aus wie ein Computer – und ist ein Funkgerät | CC BY 4.0 Michael Renner

Dieses Vorgehen, die Möglichkeit leicht und vor allem ohne große Kosten zu experimentieren, zeigt aber auch negative Auswirkungen. Ein Paradebeispiel dafür ist die digitale Übertragung von Sprache. Hier begehen die Funkamateure den Fehler, der in den analogen Zeit der 80-er und 90-er Jahre bei Videorekordern gemacht wurde: Mit D-Star, DMR und C4FM gibt es drei konkurrierende Systeme zur digitalen Sprachübertragung, wie es früher mit VHS, Video2000 und BetaMax drei konkurierende und zueinander nicht kompatible Videosysteme gab. Die Folge davon: Viele Funkamateure warten ab, ob sich einer dieser Standards durchsetzt oder gar, analog zur DVD, eine ganz neue und bessere Technik die alten Systeme verdrängt. So werden die alten analogen Geräte eben noch weiter genutzt, auch wenn dabei die Möglichkeiten der Anwendung sehr eingeschränkt sind.

Trotz der Digitaltechnik kämpft der Amateurfunk in Zeiten des Internets um Nachwuchs. In früheren Jahren landeten viele, die sich für Technik und Kommunikation interessierten, beim Amateurfunk und im DARC, dem Verein in dem die meisten Funkamateure in Deutschland organisiert sind. Doch heute stellen Programmiersprachen und Netzwerke eine starke Konkurrenz dar – die auch die spätere Berufswahl beeinflusst. Heute stehen Entwicklern die Türen im Arbeitsmarkt offen, Hochfrequenztechniker suchen deutlich länger. Das trübt das Interesse an der Funktechnik deutlich. Einige der Vorträge in Friedrichshafen beschäftigen sich folgerichtig mit der Frage, wie die Jugend für ein Hobby begeistert werden kann, das von außen betrachtet etwas angestaubt aussieht und nach Morsezeichen klingt. Der interessante Tenor dieser Veranstaltungen: Die “Faszination Funk” ist durchaus noch vorhanden, die Jugend muss nur dort abgeholt werden wo sie ist: An den Computern.

Einer der faszinierendsten Aspekte der Funkamateure ist die Weltoffenheit, die auch in Friedrichshafen zu sehen war. Nicht nur die Besucher kamen aus allen Ländern, auch Amateurfunkverbände, ähnlich dem deutschen DARC, aus den unterschiedlichsten Ländern waren vertreten. So war es vom Stand aus Israel nicht weit zu denen aus Österreich, Bulgarien, Italien, Katar, Frankreich und der Schweiz. Irgendwann nach 1945 wurde in die Gesetze geschrieben, dass der Amateurfunk unpolitisch sei. Dieser kleine unschuldige Satz hatte zur Folge, dass plötzlich jeder mit jedem sprechen oder morsen konnte. Damals durch den Eisernen Vorhang hindurch, heute ungeachtet von Sanktionen und Embargos ist für Funkamateure jedes Gespräch, jedes Morsezeichen, jedes übertragene Bild oder Schriftzeichen unpolitisch – und stellt eine Brücke zwischen Ländern her, die ansonsten vielleicht schon lange nicht mehr miteinander sprechen. Diese Art des Unpolitischen mag als Vorbild für die Politik dienen, der schon seit einiger Zeit hier und da im Miteinander die Worte fehlen. Und während die einen nach Repressionen rufen freuen sich die Funkamateure dank Katars neuem Satelliten Es’hail-2 noch enger in Kontakt stehen zu können.

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11. Juli 2017 - 7:18

Ein weitgehender Mangel an Konsequenz

Mehr Demokratie | G20 Protestwelle | CC BY-SA 2.0.jpg

Bevor, während und teilweise auch nachdem das Kind in den Hamburger G20-Brunnen gefallen war, versuchten eine Vielzahl sich als “links” definierende Personen die Schuld an der Eskalation der Polizei und den Behörden, oder auch der ungerechten Welt, zuzuschieben.

So, als hätten der Staat hier völlig willkürlich, ohne Anlass und aus reiner Bosheit Grundrechte eingeschränkt. Zwar distanziert man sich jetzt von der Gewalt, aber der Auslöser für die Eskalation sei die Polizei gewesen. Zumindest hätten sie angefangen, was mich schon sehr an eine Kindergarten erinnert.

So war das aber nicht

Es gab zwar viele, absolut inakzeptable und auf jeden Fall strafrechtlich zu verfolgende, Übergriffe gegen Demonstranten und Journalisten, die Blockade der “Welcome to hell”-Demo war einfach nur dumm und einige Grundrechtseinschränkungen sind auch völlig inakzeptabel. Aber kein Polizist oder Schlapphut hat die Horden brandschatzender Irrer vom links-autonomen Schwarzen Block gezwungen, durch die Stadt zu ziehen, Autos anzuzünden und Läden zu plündern. Niemand aus den Reihen des Staates (vielleicht mal abgesehen von ein paar noch nicht enttarnter Undercover-Provokateure) hat diese Vollidioten dafür bezahlt, dass sie Flaschen, Pflastersteine, Gehwegplatten und Molotow-Cocktails auf die Polizei wirft. Dafür ist nicht der Staat verantwortlich.

Robert Anders | Hamburg, 7.7.17 XI | CC-BY-2.0

Die Verantwortung tragen diese Irren selbst

Und die Verantwortung tragen auch alle jene, die deren Anwesenheit auf Demos und in Camps duldeten und dulden. Im Nachhinein gesehen war es, auch wenn es in einem Fall rechtswidrig war, leider nicht vollkommen unangemessen, das der Staat Camps verhindern wollte oder verhindert hat – denn dort, zwischen den vielen friedlichen Besuchern der Demo, haben sich in der Vergangenheit schon öfter diese militanten Pseudo-Demonstranten versteckt (das habe ich selbst live erlebt). Und das, ohne großen Widerspruch zu provozieren, entweder aus falsch verstandener Solidarität, oder auch aus Angst – der Umgang mit Andersdenkenden lässt bei Linksradikalen bekanntermaßen einen gewissen Mangel an Behutsamkeit erkennen.

Es ist Zeit, sich von den Irren zu distanzieren

Es ist Zeit, diese Leute auf Demos als unerwünscht zu betrachten. Es ist Zeit, dass Versammlungsleiter klar Stellung beziehen und sie aus der Demo werfen. Diese Irren heizen seit Jahrzehnten die Gewaltspirale an. Sie sind intolerante, radikale Linke und damit der pervertierte, wuchernde Auswuchs einer Ideologie die schon Millionen Tote gefordert hat. Sie sind nicht sozial, sie sind brutal, elitär und desozial. Sie sind jedwede Solidarität nicht wert.

Ich erwarte, dass in Zukunft in allen Demonstrationen, bei denen PIRATEN beteiligt sind, darauf gedrungen wird, diese Leute –  und auch alle anderen, die Gewalt als Mittel der Politik dulden oder anwenden – ausgeschlossen werden. So wie alle anderen undemokratischen Kräfte auch. Wir sind eine pazifistische Partei, wir dulden keine Gewalttäter oder deren Sympathisanten in unseren Reihen.

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5. Juli 2017 - 16:34

Medienmittwoch: Tierbilder!

 

Video | CC BY Jonathan Dehn

Über kaum etwas herrscht im Internet so eine Einigkeit, wie über Tierbilder. Ob nun zu Memes verarbeitet, zur Auflockerung eines Montag Morgen oder einfach nur so. Bilder von Tieren, am besten noch von Welpen oder Katzenbabys, gehen immer. Wir wollen uns diesem Trend natürlich nicht verschließen und stellen Euch heute die Finalisten des Fotografie-Wettbewerbs Comedy Wildlife Photo Awards vor, die allesamt Tiere zum Inhalt haben. Und, das Beste: Es sind allesamt Bilder mit einem gewissen komischen Moment.

Da gibt es den Lachs, der den Bären angreift, das dirigierende Erdmännchen oder die berühmte Bärenente mit den seitlichen Kopfflügeln. Jedes einzelne der Bilder ist ein Meisterwerk für sich und kann ein Lächeln auf das Gesicht des Betrachters zaubern. Die Gallerie des Comedy Wildlife Photo Awards ist in jedem Fall mehrere Blicke wert!

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30. Juni 2017 - 19:05

Piraten und anderer Protest bei G20 in Hamburg

Ein Gastartikel von Markus Pöstinger.

G20 Hamburg Protest | CC BY NC 2.0 Rasande Tyskar

Der G20-Gipfel ist kein Musterbeispiel für globalen Austausch. So bestimmen die geladenen Gäste der führenden zwanzig Industrie- und Schwellenländer bei ihren Gesprächen indirekt über alle anderen Länder der Erde mit. Der Kontinent Afrika ist einzig mit Südafrika als Mitglied vertreten, während alle anderen Länder des Kontinents nur indirekt über Gastorganisationen wie die Afrikanische Union und NEPAD beim Gipfel vertreten sind. Das mutet gerade angesichts der zentralen Themen des Gipfels in Hamburg seltsam an, denn es stehen unter anderem die Situation in Afrika allgemein sowie die dortigen Hungersnöte auf der Agenda.

Globale Politik von Oben

Einige Nationen anderer Kontinente, als Beispiel sei hier Chile genannt, sind gar nicht vertreten. Die G20 präsentieren sich daher als exklusiver Kreis, für dessen Mitgliedschaften es allerdings keine klaren Regeln gibt. So werden als wichtigste Kriterien für eine Mitgliedschaft die Höhe des Bruttoinlandsprodukts sowie die grösse der Bevölkerung eines Landes genannt. Jedoch erfüllt beispielsweise Spanien als Nicht-Mitglied diese Kriterien. Daher wundert es nicht, dass beispielsweise der ehemalige norwegische Außenminister Jonas Gahr Støre die G20 einmal als “selbstermächtigte Gruppe” sowie als “einen der größten Rückschritte seit dem 2. Weltkrieg” bezeichnet hat.

Da ein Gründungszweck der G20 die Wahrung der Stabilität des internationalen Finanzsystems war, sind bei allen Themen natürlich auch wirtschaftliche Fragen im Hinterkopf. Aus diesem Grund reisen mit den Staats- und Regierungschefs auch die Finanzminister und die Leitenden der Zentralbanken der einzelnen Länder. Es dürfte klar sein, dass bei dieser Konstellation keine Ergebnisse in Frage kommen werden, die zu nennenswerten Einbußen der Wirtschaft der beteiligten Länder führen, geschweige denn zu einer dringend notwendigen Umverteilung des monetären Reichtums genau in die Richtung der Länder, die nicht am Gipfel teilnehmen dürfen oder können.

“Wir lehnen dieses demokratisch nicht legitimierte Zusammentreffen neoliberaler, westlicher Politiker mit Führern autoritär geführter Staaten ab”, stellt der Bundesvorsitzende der Piratenpartei Patrick Schiffer folgerichtig klar. “Der G20 Gipfel steht für weltweiten Sozialabbau, Umweltzerstörung und ungehemmtes Wirtschaftswachstum”.

Die Landesverband Hamburg der Piratenpartei ist daher Unterstützer des alternativen “Gipfels für globale Solidarität“und veranstaltet eine eigene Reihe von Informationsabenden im “Zentrum für politische Teilhabe”. Darüber hinaus ruft die Piratenpartei Hamburg zur Teilnahme an der Großdemonstration “Grenzenlose Solidarität statt G20” am 08.07.2017 auf. Die Piratenpartei Deutschland unterstützt auch Aktionen im Rahmen der “Protestwelle“.

Grundrechte außer Kraft gesetzt

Losgelöst von der übergeordneten Kritik an G20 werden während des Gipfels Grundrechte beschnitten oder gänzlich außer Kraft gesetzt sowie allen Menschen in Hamburg Einschränkungen im Alltag aufgebürdet. Mit der Wahl einer boomenden, durch Touristen überlaufenen und mit Verkehrsproblemen belasteten Metropole als Austragungsort des Gipfels haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bürgermeister Olaf Scholz allen Menschen inklusive der Polizei einen Bärendienst erwiesen.

Der offene Brief eines Polizisten vor einigen Wochen brachte das Dilemma auf den Punkt: Selbst Tausende aus allen Teilen der Republik herbei beorderte Sicherheitskräfte werden es schwer haben, die Sicherheit für alle Staats- und Regierungschefs inklusive ihrer Entourage und dem Tross an Pressevertretern zu gewährleisten. Den Gipfel innerhalb der Freien Hansestadt auch noch direkt neben links-alternativen Quartieren wie dem Karolinenviertel, St. Pauli oder der Sternschanze stattfinden zu lassen, grenzt an Provokation.

Seit Wochen implementieren Polizei und Politik daher neue Sicherheitsmaßnahmen, die an Verzweiflung erinnern und mit denen Grundrechte verbogen oder ganz außer Kraft gesetzt werden. So verbot die Polizei für die Zeit des Gipfels kurzerhand Demonstrationen in allen Stadtteilen zwischen dem Flughafen sowie dem Veranstaltungsort. Darüber hinaus patrouillieren schon Wochen vor dem Gipfel PolizistInnen in den Quartieren um den Veranstaltungsort und kontrollieren Ausweise oder mitgeführte Taschen nach Lust und Laune. Gegen dieses Vorgehen wurde ein Aufruf von Organisationen aus dem Bürgerrechtsumfeld, Angehöriger verschiedener Parteien sowie Privatpersonen verfasst, den auch Hamburger Piraten teils als Erstunterzeichner mit unterstützen.

Wenig überraschend ist auch, dass der G20-Gipfel nach dem Willen der Regierungen in Bund und Land zwar gerne in Hamburg stattfinden darf. Protestierenden wird es dagegen möglichst schwer gemacht, das Wochenende in Hamburg zu bleiben. Anträge von Seiten der Protestierenden, Camps beispielsweise im Volkspark oder im Stadtpark zu errichten, wurden seitens der Stadt nicht gestattet. Das letzte Wort ist hierbei noch nicht gesprochen, das Verbot eines Camps im Stadtpark wurde in erster Instanz kassiert, in zweiter Instanz wurde ihm allerdings wieder stattgegeben. Nun erfolgt zeitnah das finale Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Eine Erlaubnis von Camps im Stadtgebiet würde nicht nur zu einer Entspannung und Deeskalation beitragen. Ein Abdrängen von Protestierenden hat vor dem Hintergrund der teilweise totalitär agierenden Staats- und Regierungschefs, die beim Gipfel zu Gast sind, einen besonderen Beigeschmack.

“Der Hamburger Senat weiß, dass diese Staatsleute totale Sicherheitsansprüche erheben – unabhängig von einer gegebenen oder nicht gegebenen Sicherheitslage”, kritisiert daher auch der Vorsitzende der Piratenpartei Hamburg, Dr. Martin Schütz. “Macht- und Repräsentations-Vorführungen des Staates aber rechtfertigen in keinem Fall das Suspendieren, Einschränken oder Behindern von Grundrechten!”

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23. Juni 2017 - 19:25

Frankreich lethargisch auf Autopilot

Wahlkampf in Frankreich – Wahlkampfstände während der 2. Runde der Parlamentswahl | CC BY 2.0 Michael Renner

Gerade einmal 43% der Wahlbeteiligten gingen in der zweiten Runde der Parlamentswahl in die Wahllokale. In der ersten Runde Mitte des Juni gaben immerhin noch 49% ihre Stimme ab. Der Wahlkampf war nicht darauf angelegt, Massen zu begeistern. Einzig die Partei des Präsidenten Macron La République en Marche war auf Straßen und Plätzen zu sehen. Andere Parteien machten sich rar oder hatten sich schon vor Öffnung der Wahllokale mit der absehbaren Niederlage abgefunden.

Über dem ganzen Land liegt eine gespannte Lethargie. Die ist in Paris besonders gut zu beobachten. Wo früher die Armeepolizei CRS in Vierergruppen patroullierten wurden inzwischen Achtergruppen daraus. In Parks werden Personen, die Sonnenbrillen tragen und mit Segeways oder motorisierten Skateboards unterwegs sind, gebeten diese kurz abzusetzen damit die Augen zu sehen sind. Dieser Aufforderung kommt jeder mit viel Verständnis sofort nach. Wohlgemerkt: Nicht bei einer Personenkontrolle sondern quasi “im Vorbeigehen”. Die CRS zeigt auch in Einkaufspassagen Präsenz, in den Stationen der Metro und der RER, der S-Bahn Paris und sogar in Museen. Vor Betreten des Louvre steht sogar eine Kontrolle wie sie jeder Flugreisende kennt: Tore mit Metalldetektoren und ein Durchleuchtungsgerät für die mitgebrachte Gerätschaft wie Portemonnaie, Kamera und Mobiltelefon. Taschenkontrollen gibt es inzwischen auch beim Betreten normaler Geschäfte und Einkaufspassagen. Nicht nur in den Boutiquen auf dem Champs-Elysées, sondern auch in den weniger edlen Geschäften im Osten und Norden der Stadt.

In Frankreich scheint die Bevölkerung mit bewaffneten Soldaten im Straßenbild durchaus einverstanden zu sein. Die Erfolgsbilanz, berechnet man sie aus “Anschlagsversuchen” und “Opferzahlen”, ist durchaus positiv, was in der Zustimmung zur Regierung niederschlägt. Dazu kommt, dass Macron es schaffte glaubhaft zu vermitteln, wie er das derzeitige Bruttoinlandsprodukt steigern will um so an Deutschland anzuschließen. Das Erfolgsrezept besteht aus Reformen wie sie sicher Kanzlerin Merkels Zustimmung finden werden und die Botschaft an die Bevölkerung, dass es ihr Land, ihre Wirtschaft und ihre Zukunft ist, für die die Regierung im Amt tätig sein wird. Mit dieser einfachen Formel wurden die Republikaner (bisher: UMP) weitab auf Platz zwei verwiesen, die Sozialisten, bis zur Präsidentenwahl immerhin Regierungspartei, in die Bedeutungslosigkeit verbannt. Die größte Diskrepanz zwischen Erwartung im Vorfeld und tatsächlichem Ergebnis müssen die Rechtsextremisten des Front National verarbeiten. Rechneten sie Anfang des Jahres noch damit, die Präsidentin stellen zu können, blieben im endgültigen Ergebnis der Parlamentswahl gerade acht Sitze übrig.

Macrons Parteigründung ist noch jung, unter den jetzt gewählten Mandatsträgern findet sich der eine oder andere Glücksritter – ungeeignet die Regierung zu vertreten. Die Rücktritte der letzten Tage lassen vermuten, dass dieser Reinigungsprozess schnell voran schreitet. Doch bleibt es abzuwarten, ob Frankreich anschließend eine stabile Regierung haben wird. Selbst die absolute Mehrheit von en Marche ist keine Garant dafür. Wer Europa liebt findet im Parteiprogramm von en Marche das Bekenntnis zur Union und Ideen wie diese vertieft werden kann. Aus Piratensicht ein Lichtblick, der aus der “etablierten Politik” sichtbar wird.

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21. Juni 2017 - 15:10

Medienmittwoch: Wumo

Text | CC BY Jonathan Dehn

Schwarzer Humor ist nicht zwingend jedermanns Sache. Allerdings gibt es natürlich auch hier Abstufungen. Schattierungen, sozusagen. Der Webcomic, den wir euch heute vorstellen wollen, rangiert wohl eher von leicht grau-meliert bis granitfarben mit leichten Abstechern ins Anthazit. Wirklich nachtschwarz wird es nur sehr, sehr selten. Und stets behält der Webcomic unter dem Namen wumo seinen ganz eigenen Charme bei, zu dem sicherlich auch die etwas schlönzigen Zeichnungen beitragen.

Es geht um die verschiedensten Themen bei wumo, viele aus der gesellschaftskritischen Ecke. Da beschweren sich fleischfressende Pflanzen über ihre vegetarischen Artgenossen, die Vögel des berühmten Spiels “Angry Birds” lernen, dass sie fliegen können und 5 Minuten nach Erfindung des Rads gibt es bereits Strafzettel.

Alles in allem kann man auf wumo sehr viel Spass haben, wenn man mit einem etwas sarkastischen Humor klar kommt.

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31. Mai 2017 - 11:08

Medienmittwoch: Piecomic

Text | CC BY Jonathan Dehn

Einen sehr speziellen Comic-Geschmack muss man bei den Comics von John McNamee, dem Verantwortlichen hinter Piecomic haben. Die meisten der zwischen einem und sechs Panels langen Cartoons handeln von gesellschaftskritischen Themen, die oftmals auf mal mehr mal weniger kryptische Weise verpackt sind. Etwa die Amerika-Flagge, die aus einem Strichcode besteht, oder der Vergleich zwischen Descartes und seinem berühmten ersten Grundsatz “Cogito ergo sum” und einem wütenden Bürger der Neuzeit, dem kein “stinkender Gedanke” sagen kann, was er ist.

Zwar mag es Comics geben, die zeichnerisch höherwertig sind, doch die Arbeit von McNamee glänzt eher durch ihren intellektuellen recht hohen Anspruch. Viele seiner Comics kommen eher einer Karikatur denn einem Comic gleich. Nichtsdestotrotz gibt es auch bei Piecomic einige Werke für das von der sommerlichen Hitze auf Sparmodus gezwungene Gehirn. Abschließend lässt sich sagen, dass der Tumblr-Blog Piecomic von John McNamee auf jeden Fall einen (regelmäßigen) Blick wert ist.

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24. Mai 2017 - 11:34

Medienmittwoch: Lunarbaboon

Text | CC BY Jonathan Dehn

Ein einfacher Zeichenstil, dafür aber mit viel Charme und Pointen, die stets ein Schmunzeln auf die Lippen zaubern. Mal elegant philosophisch, mal charmant und liebevoll, aber immer mit einer gewissen Tiefsinnigkeit. So könnte man die Webcartoons von Lunarbaboon bezeichnen. Lunarbaboon, das ist nach eigener Aussage des Zeichners ein Affe, der halb Mensch und halb Mond ist, und versucht, allem irgendwie einen Sinn zu geben. Laut seiner Webseite macht der in Toronto, Kanada lebende Zeichner die Comics als Teil einer Therapie gegen Angsttörungen, Depressionen und OCD.

Möglicherweise auch deswegen sind die Aussagen, die am Ende der Panels stehen, stets positiv aufgeladen, selbst wenn der Comic von der Angst handelt, früh sterben zu müssen. Oder um weinende Kinder. Irgendwie schafft der Autor es immer, etwas Positives an der Sache zu sehen. Sehr positiv ist auch, dass wöchentlich drei neue Comics erscheinen, sodass man sich mit Lunarbaboon an fast jedem Arbeitstag aus dem Routine-Tief holen kann. Hat man sich durch ein paar dutzend Lunarbaboon-Cartoons geklickt, kann man kaum mehr anders, als selbst mit einer positiven Attitüde durch den Tag zu gehen.

 

 

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14. Mai 2017 - 10:47

Ihr braucht Euren Glauben nicht zu verstecken

Manchmal verläuft der Kampf um Freiheiten seltsam: Aus einem “Ihr müsst so nicht leben” wird ein “Ihr dürft so nicht leben”. Im Programm der Piratenpartei steht viel über die Trennung von Staat und Kirche und dass Privilegien für Religionsgemeinschaften nicht mehr zeitgemäß seien. “Outet” sich ein Pirat als gläubiger Mensch oder lobt er das, was unter “christliche Werte” verstanden wird erntet er gelegentlich heftige Ablehnung. So ging es Arne Hattendorf, dem 1. Vorsitzenden in Niedersachsen.

Flaschenpost: Arne, zur Zeit bist du ständig für die Partei unterwegs. Verwaltungstreffen, Wahlkampf. Hattest du wenigstens an Ostern etwas Ruhe? Deine Stillen Tage sozusagen?

BigArne: Es geht. Ich bin wegen meines Berufs (Datenbankentwicklung und -sicherheit) momentan viel bei einem Kunden in Hamburg und wenig zu Hause. Deswegen bleibt nicht so viel Zeit für Parteiarbeit. Die Woche nach Ostern habe ich Urlaub gemacht, am Wochenende nach Ostern habe ich das Kandidatentreffen in Chemnitz moderiert. Das war anstrengend, aber es hat auch eine Menge Spaß gemacht. Stille Tage werden überbewertet ;o)

Flaschenpost: Wobei Religion in deinem Leben schon eine Rolle spielt.

BigArne: Eher untergeordnet. Ich bin evangelisch gewesen, meine Frau katholisch. Als es Pläne gab, Mischehen doppelt zu besteuern, sind wir beide aus der Kirche ausgetreten. Ich sehe mich selbst als Christ, wobei es mir insbesondere auf die Werte ankommt, die Christus vertreten hat, das Nächstenliebe-Gedöns und so, wobei es mir nicht wichtig ist, ob er eine real existierende oder eine fiktive Person war.

Mein religiöser Leitfaden ist so etwa: Wenn jeder, bevor er (oder sie, oder …) etwas Wichtiges tut, darüber nachdenkt, was hätte Christus in dieser Situation getan, wäre die Welt ein besserer Ort. Wichtig ist für mich, gerade im Bezug auf Glauben, auch ein großes Maß an Toleranz gegenüber Andersdenkenden, allerdings nur, solange sie sich im Rahmen unserer Grundordnung bewegen. Auch gegenüber aggressiven Missionaren ist meine Toleranz endlich. Sowieso halte ich etwas von einem Realitätscheck. Wenn mich jemand auf die linke Wange schlägt, werde ich nicht die rechte Wange hinhalten, sondern eher “Arschloch” sagen. Außerdem: Darwin rulez! Kein Kreationismus als Alternative zum Darwinismus an Schulen.

Die Kirche spielt übrigens in meinem Leben immer noch eine gewisse Rolle. Wir in Wolfenbüttel Nordost sind ein sehr heterogener Stadtteil. Die Kirche hat mit einer Initiative “Quartier Nordost” verschiedene Gruppen, wie Alte, Junge, Fachhochschule, Flüchtlinge, Migranten, etc. zusammengebracht und sorgt damit dafür, dass bei uns alles ein bisschen zusammenwächst. Könnte natürlich auch wer anders machen. Hat in den letzten 30 Jahren aber keiner. Die Unterstützung von Seiten der Stadt ist, wie sie bei einem Verein auch wäre, wir machen in Wolfenbüttel da keine Unterschiede.

Das Zweite ist, dass sich die Kirche in der Gemeinde, zu der ich gehöre, gegen Atomlagerung in der Asse und Vorratsdatenspeicherung stark macht – also was Bürgerrechte angeht, an unserer Seite steht. Leider sieht das in anderen Kirchengemeinden auch manchmal anders aus. Es gibt immer noch zu viele Kirchenoffizielle, die sich bevorzugt im Gestern bewegen.

Flaschenpost: Auf der anderen Seite steht die Kirche oft im Mittelpunkt der Kritik. Und auch wenn wir Piraten für die Trennung von Religion und Staat eintreten, sehen sich bekennende Christen in der Partei gelegentlich diffamierenden Angriffen ausgesetzt. Worauf führst du den Mangel an Wertschätzung anderen gegenüber zurück?

BigArne: Auch wenn sich die Kirche in den letzten Jahrzehnten weiter entwickelt hat, ist es nur all zu häufig berechtigt, wenn die Kirche mal wieder wegen irgendwelcher Vorkommnisse im Mittelpunkt der Kritik steht. Das kann aber eigentlich nicht der Grund sein, warum Christen von anderen Piraten verbal, manchmal auch ausfallend, angegriffen werden. Auch die Forderung der Trennung von Kirche und Staat sollte nicht dafür verantwortlich sein, denn diese Forderung wird von den meisten Christen, die ich kenne, prinzipiell unterstützt.

Ich greife mal eine Szene vom letzten BPT auf: Bei der Vorstellung eines Kirche-Staat-Trennungs Antrags, dem ich in weiten Teilen zustimmen könnte, wurde mit dem ersten Satz allen – auch gemäßigten – konfessionellen Christen unterstellt, sie wären nicht zum selbst Denken fähig. Im ersten Satz mal eben ca. 50 Millionen Menschen allein in Deutschland beleidigt. An anderer Stelle wurde mir auf Twitter unterstellt, ich sei kein richtiger Christ, weil ich eben kein extremer Bibelfreak bin, der jeden Satz glaubt, der dort geschrieben steht.

Eine mögliche Erklärung wäre, dass Menschen, die von Ihrer Weltanschauung 110prozentig überzeugt sind, manchmal dazu neigen, massiv gegen andere Anschauungen anzukämpfen. Eine andere Möglichkeit läge in der Tatsache, dass manche Menschen so weit vom christlichen Glauben entfernt sind, dass sie die Beleidigung kaum wahrnehmen, weil sie in Ihrer Sicht der Dinge einfach nur eine Wahrheit aussprechen. Aus der Sicht eines extremen Atheisten könnte zum Beispiel die Aussage “kein richtiger Christ” sogar ein Kompliment sein.

Bei manchen Piraten entsteht allerdings auch der Eindruck, dass sie in ihrer Sicht der Kirche vor 1000 Jahren stehengeblieben sind, also ungefähr zur Zeit der Kreuzzüge. Da könnte man auch den Piraten vorwerfen, sie hätten Cäsar entführt, das ist auch nur etwas mehr als 2000 Jahre her. Gelegentlich werden auch Begriffe wie Atheismus und Agnostik durcheinander geworfen oder allgemein anerkannte Definitionen, z. B. zu Glauben, werden ignoriert. Da kann ich dann einfach nur Facepalmen oder Kopftischen.

Besonders viel Gegenwind habe ich anscheinend für die Aussage bekommen, dass Atheismus auch ein Glaube ist. Ich vermute, dass Problem ist, dass ich damit Atheismus auf eine Stufe mit Religionen gestellt habe. Mein Eindruck ist, dass manche den Atheismus als überlegen und Religionen als minderwertig sehen. Unabhängig davon, ob die Definition von Glauben das hergibt oder nicht, werde ich in Zukunft jedenfalls darauf verzichten, Atheismus als Glauben zu bezeichnen. Ich werde allerdings nicht aufhören, extremen Missionaren entgegenzutreten, unabhängig davon, ob es atheistische, christliche oder sonstwelche sind.

Flaschenpost: Hand auf’s Herz: Es ist nicht selten, dass jemand, der auf etwas verzichtet, sich anderen moralisch überlegen fühlt: Nichtraucher, Vegetarier, Radfahrer, Abstinenzler, Fernsehverweigerer und eben auch Atheisten – jeder von ihnen weiß, zu welcher Gruppe er nicht gehört oder gehören will. Fehlt uns Piraten, die wir ja so intensiv für die Anerkennung aller möglichen Lebensentwürfe eintreten eine Laissez-faire-Einstellung für längst Bekanntes?

BigArne: Da bin ich froh, dass ich mir Zeit zum Nachdenken nehmen kann, das ist eine schwierige Frage. Ich betrachte zunächst mal das Thema Rauchen. Ich habe vor langer Zeit mit dem Rauchen aufgehört. Auf der einen Seite mache ich kein Hehl daraus, dass mir rauchfreie Discos, Kneipen und Restaurants gefallen. Ich fühle mich aber trotzdem nicht irgendwie moralisch überlegen, in meinen Augen wäre das absurd. Ich weiß aber, dass das bei einigen Nichtrauchern anders ist. Merkt man zum Beispiel daran, dass sie Rauchen selbst dort verbieten wollen, wo keiner belästigt wird.

Nehmen wir den Vegetarismus. In dem Augenblick zum Beispiel, wo ein Vegetarier andere ernsthaft als “Aasfresser” bezeichnet, brauche ich das wohl nicht weiter zu kommentieren. Auf der anderen Seite gibt es auch Omnivoren unter den Menschen, die zu abfälligen Kommentaren über Vegetarier neigen. Habe ich in jungen Jahren auch gemacht, dafür schäme ich mich heute noch, obwohl das inzwischen 30 Jahre her ist. Das resultiert aber meiner Ansicht nach eher aus Unverständnis, als aus irgendeinem Anspruch auf moralische Überlegenheit.

Aggressive vegetarische Missionare sind auch nicht so häufig, fallen aber auf, weil sie eben laut und aggressiv sind. Es auch das Gegenteil: Vegetarier, die selbst auf Nachfrage nicht zugeben würden, dass sie es unangenehm fänden, wenn ich direkt gegenüber von ihnen ein Steak ‘englisch’ esse. Die fallen eben auch nicht auf. Ich finde sowas auch übertrieben, Weltanschauungen mögen Privatsache sein, aber das heißt nicht, dass sie nur im stillen Kämmerlein ausgelebt werden dürfen. Man sollte eben andere Leute nur nicht mit seinen Weltanschauungen belästigen. Wenn jemand allerdings zum Beispiel eine Sichtallergie gegen Kreuze oder Kopftücher hat, und schon beim Anblick dergleichen Ausschlag bekommt, ist das nicht mein Problem.

Flaschenpost: Kannst du das in einen Slogan bringen, der sowohl nach innen als auch nach außen wirkt?

BigArne: Bis letzten Sonntag wäre meine Antwort “Nein” gewesen. Das hat sich geändert, allerdings gibt es dazu eine Vorgeschichte: Ich besuche gelegentlich christliche Gottesdienste, evangelisch, katholisch oder ökumenische. Bei dem Gottesdienst zur Konfirmation haben Evangelische, Katholische, Orthodoxe, Konfessionslose und Atheisten zusammen ein einfaches Abendmahl gefeiert, und das gelebt, worauf es ankommt. Gemeinschaft. Einige andere waren zum Gottesdienst gekommen, wollten sich aber nicht am Abendmahl beteiligen, was aber als Selbstverständlichkeit hingenommen wurde. Ich möchte an dieser Stelle mit einem Zitat aus der Predigt enden, sinngemäß, weil ich den Wortlaut nicht mitgeschrieben habe:

“Ihr sollt niemandem Euren Glauben aufdrängen. … Aber ihr braucht Euren Glauben auch nicht zu verstecken.”

Flaschenpost: Vielen Dank, dass du dir Zeit für das Gespräch genommen hast.

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